Возрождение из руин

Июн 30th, 2011 | By | Category: Пресса
Von Elfie Siegl

Wie Pater Richard Stark in Sankt Petersburg eine Kirche restauriert

20.03.2010
In Russland gibt es heute bis zu 50.000 Katholiken. Seit das neue Oberhaupt der Orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, vor einem Jahr sein Amt antrat, hat sich das angespannte Verhältnis zwischen der Orthodoxie und der katholischen Kirche entkrampft. Darüber freut sich auch der deutsche Pater Richard Stark, der seit zehn Jahren in Sankt Petersburg für den Wiederaufbau einer katholischen Kirche kämpft. Für seinen Einsatz wurde ihm vor wenigen Monaten das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.
Wie Pater Richard Stark in Sankt Petersburg eine Kirche restauriert
Es war für katholische Geistliche in der Vergangenheit nicht immer leicht, diese Gläubigen zu betreuen. Denn die Russisch Orthodoxe Kirche beobachtete die Tätigkeiten der Pfarrer mit großem Misstrauen und unterstellte den Geistlichen Proselytismus, also missionarische Tätigkeiten. Seit das neue Oberhaupt der Orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, vor einem Jahr sein Amt antrat, hat sich das angespannte Verhältnis zwischen der Orthodoxie und der katholischen Kirche entkrampft. Darüber freut sich auch der deutsche Pater Richard Stark. Denn er tritt seit Langem für die Versöhnung von Orthodoxen und Christen ein. Außerdem kämpft er seit zehn Jahren in Sankt Petersburg für den Wiederaufbau einer katholischen Kirche. Für seinen Einsatz wurde ihm vor wenigen Monaten das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Elfie Siegl hat den Pater in Sankt Peterburg besucht. Pater Richard Stark ist 72 Jahre alt und leitet die Pfarrei Mariae Heimsuchung. Dort hält er Gottesdienste unter extremen Bedingungen, denn in der baufälligen Kirche gibt es weder Heizung noch Toiletten. «Ich habe mir gesagt, wenn wir nicht beten in diesem Haus — und das tun wir dreimal in der Woche — dann passiert hier gar nichts. Wir müssen das weitermachen und manche Russen sagen, es ist ihnen zu kalt. Mir ist es nicht zu kalt. Ich bin hier auf jeden Fall da.» Die Kirche Mariae Heimsuchung liegt weit ab vom Stadtzentrum in der Nachbarschaft eines großen Gefängnisses und mehrerer Fabriken. Sie gehört zu jenen Gotteshäusern, die in der Sowjetzeit vom Staat geschlossen und dann als Lager oder Produktionsstätten zweckentfremdet wurden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 sind den Konfessionen in Russland allmählich Kirchen zurückgegeben worden, darunter auch Mariae Heimsuchung. 1859 von dem berühmten Architekten Nikolas Benoir gebaut, steht die Kirche heute unter Denkmalschutz. Richard Stark: «Das ist jetzt nur das Mittelschiff, das ist die Apsis, da war der Altar, das hat man zugebaut und eine Decke eingezogen. Da war ein Institut, ein wissenschaftliches Institut, die haben anscheinend Steine zertrümmert mit Millionen Volt, das wäre einzigartig in der Welt. Aber wir haben zwei Gerichtsurteile gehabt, bis sie dann raus gingen. Und dann haben wir 40 Lkw Schutt hier rausgefahren.» Das Juwel der Kirche aber ist die Krypta. Eine steile Eisentreppe führt in das Kellergewölbe aus roten Backsteinen. Richard Stark: «Das gibt es in keiner Kirche so schön wie hier. Bis hierher war Beton, das habe ich alles raus machen lassen. Das ist der Originalfußboden, die haben das vor 150 Jahren gebaut und wenn dann welche gestorben sind, dann hat man die Platten ausgehoben und rechts und links sind die Gräber. Ich weiß gar nicht, wie viele Personen hier begraben sind.» Hier unten findet man das Familiengrab des Architekten Benoir und das des deutschen Mitglieds der Zarenfamilie, Großfürst von Leuchtenberg. Auf dessen Fürsprache hin wies der Zar der katholischen Gemeinde von Sankt Petersburg einen eigenen 100.000 Quadratmeter umfassenden Friedhof zu. Dort und im Kellergewölbe der Kirche sind rund 40.000 Katholiken bestattet, darunter sieben Bischöfe. Nach der Oktoberrevolution wurde der Friedhof zunächst geschlossen und später zerstört. In der Stalinzeit, 1938, ist der letzte Pfarrer erschossen worden. Die Kirche diente fortan als Kartoffellager, dann als Speicher und später als Ort für wissenschaftliche Experimente. Als die Katholiken die Kirche vor zehn Jahren vom Staat zurückbekamen, war sie eine Ruine. Bis heute regnet es durch das undichte Dach. Die Wände sind schimmelig von der Feuchtigkeit, die aus dem sumpfigen Boden kommt. Es gibt keinen Strom und keine sanitären Einrichtungen. Stark: «Für mich wäre es das Wichtigste — damit diese Kirche lebensfähig ist — dass ich hier Heizung und Wasser bekomme und vor allem, dass sie entwässert wird. Zu bestimmten Jahreszeiten kommt das Wasser hoch, man sieht es richtig schwimmen. Das muss durch Entwässerung in die Kanalisation gehen, dann wird es hier trocken.» Deshalb ist er froh, dass inzwischen mit Unterstützung aus Deutschland eine Stiftung zur Restaurierung der Kirche Mariae Heimsuchung eingerichtet wurde. Richard Stark hat, bevor er nach Russland ging, als Mitglied der Steyler Missionare beinahe 30 Jahre im Kongo gearbeitet. Er hat dort Brücken gebaut, Viehzucht betrieben und den Bürgerkrieg miterlebt. Deshalb regt ihn sein Kampf mit den russischen Bürokraten nicht sonderlich auf. Er ärgert sich nur darüber, dass die kommunale Selbstverwaltung ihm bis heute die Erlaubnis für die Restaurierung der Kirche und des umliegenden Friedhofsgeländes verweigert, obwohl Kirche und Friedhof das — von Staat zurückgegebene — rechtmäßige Eigentum der katholischen Kirche sind. Stark: «Dieses Gelände hier rechts, das sind uadratkilometer, die habe ich bekommen. Da steht eine Kapelle und hinter diesem Gebäude — das muss auch abgerissen werden — waren Hallen. Später wird natürlich der Haupteingang, wie es früher war, zwischen den Kapellen sein. Sie geben uns nicht die Papiere, das Katasteramt will sie nicht rausrücken. Wenn ich jetzt nicht hintenherum Geld bezahle, dann bekomme ich das nicht. Ich will nichts bezahlen, das sollen die mir so rausrücken. Das ist uns ja vom Staat zugedacht, das steht ja unter Denkmalschutz.» Der Pater wird weiter bitten, fordern und verhandeln. Er wird mit Hand anlegen bei der Restaurierung des Gotteshauses. Ein schnelles Ergebnis ist nicht in Sicht, doch der Geistliche gibt nicht auf. Denn er hat eine Vision, die ihm trotz angeschlagener Gesundheit und fortgeschrittenem Alter Kraft für seinen Kampf um die Kirche gibt. Stark: «Mein Ziel ist auch, hier einen Wallfahrtsort zu schaffen. Heute ist das in, man geht auf Wallfahrt und auch die russisch-orthodoxe Kirche ist sehr darauf bedacht, dass sie ihre Wallfahrtsorte haben. Die Katholiken brauchen das auch, man kann nicht sagen, die können ja nach Polen und dort ihre Heiligtümer besichtigen, nein, die brauchen das hier im eigenen Land. Ich hoffe, dass das hier ein Wallfahrt, eine Erinnerungsstätte wird, eine Versöhnungsstätte. Das es wirklich etwas Kirchliches ist.» Der Pater aus Westfalen, der Kaufmann gelernt hat und dann mit vierzig Jahren Missionar wurde, sagt, er halte die Fahne der wenigen Katholiken hoch, die es heute in Sankt Petersburg gibt. Aber er hat keine Illusionen: Stark: «Ich bin ein Einzelkämpfer in dieser Stadt.»   Quelle: Deutschlandradio Kultur     (Das Material v. Pater Stark)

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