Predigt von P. Richard Stark am 17.03.11

00:40 | Von | Kategorie: Gemeinde und Seelsorge, Sozialer Dienst, Ökumene
Fastenzeit 1. Woche A (Mt,7 7-12), am 10. Todestag vоn Msgr. Hartmut Kania Predigt von P. Richard Stark am 17.03.11 1. Wir begehen heute den 10. Todestag von Msgr. Hartmut Kania. Mit offenen Armen hatte er mich im September 1999 empfangen. Gern übernahm ich die seelsorgliche Betreuung der afrikanischen Kommunität in der Pfarrei Herz-Jesu. Neben seiner Aufgabe als Pfarrer leitete Hartmut Kania die von ihm ins Leben gerufene Caritas und den Malteser Hilfsdienst von SPB. Eine schier unvorstellbare Fülle von Aufgaben und Verantwortung, die diesem Priester abverlangt wurde. Sicher hat er diese Last der Arbeit gespürt und versucht, dagegen zu steuern. Unvergesslich bleibt mir unsere gemeinsame Wallfahrt nach Aglona (Lettland), wo wir unsere Kräfte aufgetankt haben. Aber vor dem Schlaganfall konnte er sich nicht schützen, der seinem Leben so brüsk ein Ende bereitete. Jedes Jahr haben wir uns an seinem Todestag versammelt, uns an ihn erinnert und für ihn gebetet. Was waren seine beruflichen und menschlichen Stärken, dass wir ihn bis heute in guter Erinnerung bewahren? Ganz sicher war der Priester der katholischen Kirche, sein ganzes Leben, durch seinen Glauben geprägt. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt. 25,40) 2. Das Evangelium von heute greift die Goldene Regel (Mt 7,12 ) aus der Bibel auf, die P. Hartmut gekennzeichnet hat: „ Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“ konkret heißt dies: So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch. Das ist – kurz zusammengefasst – der Inhalt der ganzen Heiligen Schrift. Wir dürfen diese Regel auch als Überschrift über das Leben von P. Hartmut Kania setzen. Es gibt viele Bereiche im Leben, bei denen man diese goldene Regel anwenden kann. Beginnen wir am 10. Todestag von Hartmut Kania. Wir gedenken in dieser Feier vor allem seinem sozialem Tun und wünschen uns, dass jemand sein Werk fortsetzt; damit notleidende Menschen weiter seine Güte erfahren. Wir begehen dankbar diesen Tag und wünschen uns, dass wir mit Respekt und Liebe von unseren Mitmenschen behandelt werden. Wir gehen mit unserem verstorbenen Freund und Priester so um, wie wir erwarten würden, dass er mit uns umgehen würde. Wir alle, die ihn gekannt haben, denken an seine Hilfsbereitschaft und erwarten, dass sich christliche Grundsätze in unserer Gesellschaft durchsetzen und wir im Miteinander den Respekt erfahren, den wir anderen zukommen lassen. In der Goldenen Regel sind zwei Gebote zusammengefasst, das Gesetz und die Propheten (Mt 22,40). Die goldene Regel ist nichts anderes als eine andere Variante des Liebesgebotes. Die goldene Regel ist keine bloße zwischenmenschliche Angelegenheit, sondern hat immer mit Gott zu tun. Unsere Beziehung zu Gott und zueinander lassen sich nicht trennen. Wer z.B. nicht vergeben kann, bei dem blättert der Glanz des Lebens ab, der verkümmert. Du wirst davon geprägt, du selbst trägst letztlich den Schaden, nicht derjenige der an dir schuldig wurde. In der Bibel, dem geschriebenen Wort Jesu, hören wir heute von neuem: „Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten. So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch. Das ist – kurz zusammengefaßt – der Inhalt der ganzen Heiligen Schrift. 3. Liebe Brüder und Schwestern, je länger wir über diese Bibelstelle nachdenken, je herausfordernder wird sie für uns. Was meint sie z. B. im Umgang mit Ausländern, mit Moslems, mit Menschen die bei uns ungute Gefühle auslösen? Wenn ich als Christ in der Politik tätig wäre, wie würde ich die goldene Regel anwenden? Oder gilt sie dort nicht? Ist dort ethisches Verhalten nicht möglich? Wir glauben doch alle, dass diese Bibelstelle Gottes Wort ist und wir ihm folgen wollen. Die goldene Regel sagt nicht Augе um Auge, Zahn um Zahn. Nein, es heisst, so wie du möchtest, wie man dich behandelt, so gehe du mit den andern um. Und Jesus fordert uns ungeheuer heraus wenn er sagt: tut Gutes denen die euch hassen, segnet die euch fluchen, überwinde das Böse mit dem Guten. Es ist also nicht eine humanistische Regel, die wir im Evangelium finden, sondern eine göttliche Regel, die Jesus verkörpert hat. Er fordert es nicht von uns, er erfüllt sie selbst. Jesus wählte nicht Gold, d.h. Reichtum, Wohlstand oder Ansehen, sondern die goldene Regel. Und so empfing er mehr, als man mit Gold kaufen kann. Genau so wie Jesus sich im Leben seinem Vater anvertraute, seinem Wort gehorchte, so sollen auch wir lernen, zu vertrauen und zu gehorchen. Und so müssen wir uns jeden Tag neu fragen, was es heisst: So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch. Das ist – kurz zusammengefasst – der Inhalt der ganzen Heiligen Schrift.»

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