Osterrundbrief-2011

21:56 | Von | Kategorie: Gemeinde und Seelsorge, Aktuelle Neuigkeiten
Liebe Freunde!

 

Die Deutsche Woche in Sankt-Petersburg wurde in diesem Jahr vom bayerischen Ministerpräsidenten, Horst Seehofer eröffnet. Für mich eine Gelegenheit, die offene Frage unseres Kirchengrundstücks anzuschneiden. Herr Seehofer hat mich anscheinend verstanden und versprach, dieses Thema beim Treffen mit der Gouverneurin vorzutragen. Gleichzeitig läuft eine konzertierte Aktion von vier Generalkonsulaten, die unsere Beschwerde an das Staatsoberhaupt von Sankt-Petersburg mit einem Begleitschreiben weiterreichen. Ein weiterer Versuch, die Pfarrei Mariä-Heimsuchung aus der Versenkung zu holen.

Fresko von Andrea Bonaiuti (1343-1377) in Florenz

Ostern feiern wir die Auferstehung Christi, Seinen Sieg über Sünde und Tod. Vorausgeht sein Hinabsteigen in das Reich des Todes. (Apostelgeschichte 2, 30-31). Auch wenn wir im Glaubensbekenntnis beten „hinabgestiegen zu der Hölle“, tun wir uns schwer, den Sinn dieses ‚Verweilen in der Unterwelt‘ zu verstehen. Der große Theologe Hans Urs von Balthasar verstand darunter die Gottverlassenheit Jesu Christi am Kreuz. Und stützt sich auf Jesu letzten Worte am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ (Markus 15,34). Wir können nur erahnen, wie sehr sich der Sohn Gottes von Gott verlassen fühlte.

Fern von Gott zu sein, gehört zu den schmerzlichsten menschlichen Erfahrungen. Das ist Hölle, die wir nicht als Ort sondern als Ferne von Gott, als völlige Einsamkeit (Ratzinger) begreifen müssen. Jesus, der Sohn Gottes, hat diese extreme Erfahrung der Gottverlassenheit und Einsamkeit mit vielen Menschen geteilt und ausgehalten, um uns wieder aufzurichten. Es besteht Hoffnung, trotz drohender Verzweiflung, die Gemeinschaft mit Gott neu anzuknüpfen. Wir dürfen nicht ohne Grund annehmen, dass niemand von Gott verlassen ist (d.h. die ganze vor- und außerchristliche Menschheit mit einbegriffen), der sich der Liebe Gottes öffnet. Selbst derjenige, der sich von Gott abgewendet hat, kann noch in seiner selbstgewählten Gottverlassenheit Christus begegnen. Dafür finden wir im Brief des Petrus einen Beleg: „So ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.“ (Petrus 3,19). Daraus dürfen wir schließen, dass Christus alle Menschen ohne Ausnahme zur Gemeinschaft mit Gott führen will.

Aus Tod und Auferstehung des Herrn schöpfen wir unsere österliche Freude, die sprudelt wie eine Quelle lebendigen Wassers. Alle Welt soll erfahren: Christus ist auferstanden! Wir Christen haben eine tragfähige Vision vom Leben, die jede menschliche Begrenztheit sprengt. Mit österlichen Segenswünschen und herzlichen

Grüßen verbleibe ich Euer

Richard Stark

Schreibe einen Kommentar