„Grenzenlos“: „Pater Stark in Petersburg“

15:52 | Von | Kategorie: Steyler Missionare, video, Aktuelle Neuigkeiten
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grenzenlos „Pater Stark in Petersburg“ 14.12.2010 Moderation: Als 1990 mit dem Fall der Mauer auch die Grenzen nach Russland durchlässiger wurden, öffneten sich nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht ganz neue Möglichkeiten. Auch der Tourismus gen Osten erlebt seither einen Boom. Endlich kann man ohne Einschränkungen die Reize Russlands erleben. Neben Moskau steht dabei eine Stadt ganz besonders auf der Wunschliste der Reisenden. St. Petersburg, die malerische Zarenstadt an der Grenze zu Finnland. Aus dem Meer der goldenen Kuppeln von Petersburg ragt auch ein kleiner katholischer Kirchturm. Der deutsche Priester Richard Stark ist der Hausherr dieser ungewöhnlichen Kirche und er hat noch großes damit vor. Was, das erzählt ihnen unser heutiger Film. Gemächlich durchfließt die Newa St. Petersburg bevor sie in den finnischen Meerbusen mündet. Seit Zar Peter der Große hier seine Hauptstadt mit prunkvollen Palästen und Schlössern errichten ließ, hat die Stadt nichts an Glanz verloren. Selbst als die Kommunisten den Regierungssitz nach Moskau verlegten und Petersburg Leningrad hieß, weil anstelle des Hl. Petrus nun ein Kommunist zum Namenspatron wurde, blieb die Stadt das kulturelle Zentrum Russlands. Vor der Eremitage, einer der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt, warten Pferdekutschen auf die Touristen, um sie wie in der Zeit des Zaren durch die prachtvollen Straßen zu geleiten. Keine Stadt des einstigen Sowjetreiches konnte nach dem Zusammenbruch so schnell an seine Tradition anknüpfen wie Petersburg. St. Petersburg, das ist auch die Stadt der Hochzeitspaare. Keine Metropole ist für Russen attraktiver, um dem ja-Wort eine passende Kulisse zu geben und keine russische Stadt gibt sich westlicher als Petersburg. Vergessen schient das kommunistische Regime, das noch vor 20 Jahren das Leben hier prägte. Das Kriegsschiff Andoria ist längst von Touristen gestürmt. Mit einer dieser Bordkanonen wurde im Jahr 1917 der Schuss abgegeben, der die Revolution auslöste. Es war der Beginn einer Schreckensherrschaft, die auch viele Petersburger mit Verbannung und Tod bezahlten. Die Zeiten haben sich rasant geändert. In Petersburg schneller als im Rest Russlands. Staatlich kontrolliertes Volkseigentum ist wieder in private Hände gelangt und auch die enteigneten Kirchen wurden nach einem Erlass von Borris Jelzin wieder zurückgegeben. Russland gibt sich als moderner Staat. Der von oben verordnete Atheismus gehört der Vergangenheit an. Auch er hat eine Kirche zurückbekommen. Pater Richard Stark, der einzige deutsche katholische Priester in Petersburg. Seit über 10 Jahren ist er verantwortlich für Maria Heimsuchung, der einzigen katholischen Kirche auf der rechten Newaseite. Was mittlerweile recht ansehnlich wirkt, war bei seiner Ankunft eher eine Müllhalde. Das einstige Gotteshaus: eine baufällige Lagerhalle. Die Fenster sind provisorisch abgedichtet, dem Kirchturm fehlt seit Jahrzehnten die Spitze. Zu sehr hatte das Bauwerk in der Zeit seiner Zweckentfremdung gelitten. Doch der Deutsche hat ein hehres Ziel. Er will dem Gotteshaus zu neuem Glanz verhelfen und das nicht nur in durch Zement, Mörtel und Farbe. Dort wo heute wieder Gottesdienst gefeiert wird, standen noch vor einigen Jahren riesige Maschinen, die Steine zertrümmerten. Der einstige Hochaltar ist zerstört. Zerstört von einem Regime, das sich die Ausrottung des Glaubens auf seine Fahne geschrieben hatte. Kein Mittel war zu primitiv, um die religiöse Stätte zu entweihen. An den Altären hat man Toiletten eingerichtet. Um zu zeigen, dass sie nichts von gott halten. Und die Toilettenanlage die Kanalisation wurde einfach in die Krypta geleitet. Die Krypta unter dem Kirchenschiff: Die einstige Begräbnisstätte führender Kirchenmänner wurde zur Kloake. Eines Tages kam ich hier an, war die ganze Fläche stand unter Wasser, es schwamm Holz und Ablälle, und dann dampfte es, es waren die Nachbarn, das ist eine Firma , das heisse Wasser haben sie einfach in die Krypta geleitet, es war fürchterlich dieser Zustand in dieser Krypta . Und wir haben dann nachdem es halb trocken war und die Abwässer nicht weitergeleitet wurden, haben wir hier jeden Tag, insgesamt 300 Tonnen Bauschutt die wir hier aufgeladen haben. Hier in dieser Krypta ruhen 7 Erzbischöfe, 16 Priester, eine Adelsfamilie mit 11 Personen, ein berühmter Architekt des Zaren, Nikolai Benoit, und die Toten die muss man in Ehren halten, deshalb ist das so wichtig, es darf nicht weiter zerstört werden und wir müssen das Andenken hochhalten. Deshalb bin ich so dahinter her. Pater Richard Stark gehört zu den Steyler Missionaren. Nach der Öffnung der Grenzen begann sein Orden erst in Moskau dann in Petersburg mit dem Aufbau einer katholischen Gemeinde. Der Deutsche, der vorher 30 Jahren im Kongo wirkte, war von Anfang an dabei. Ich war damals in Kinshasa als die Mauer fiel, das war wie ein Wunder, niemand hat daran gedacht, plötzlich fällt die Mauer, und niemand hat gedacht hier bricht der Kommunismus zusammen. Und bin eigentlich nur nach Russland gekommen, weil es eine Anfrage gab von unserer Generalleitung, wir suchen Missionare, die Berufserfahrung haben, und die auch noch eine neue Sprache lernen. Mittlerweile hat der Deutsche Pater in Petersburg eine ansehnliche Gemeinde um sich gesammelt. 4x die Woche feiert er Gottesdienst. Es ist ein bunter Haufen, der sich hier trifft. Russische Katholiken, Polnische Petersburger, deutsche Besucher und afrikanische Studenten, denen sich der Pater nach der langen Zeit in Afrika ganz besonders verbunden weiß. Internationalität, die auch im Gottesdienst zum Ausdruck kommt. Gesungen und gebetet wird russisch, Lesungen oder Ansprachen sind je nachdem mal deutsch, englisch oder französisch. Wichtig ist dem Pater eins: Ein Land, das fast ein Jahrhundert lang entchristlicht werden sollte, soll wieder an sein geistiges Erbe anknüpfen können. Dieser Materialismus hat die Menschen kaputt gemacht. Die Seelen waren zerstört und jetzt gibt es die Möglichkeit in diesem Neuland in diesem Wüstenland wieder etwas aufzubauen. Ich glaube, dass ist eine Pionierarbeit, eine große Herausforderung und so etwas sind wir gewöhnt von Afrika, und dass hier viel, viel Arbeit ist, das ist klar. Nach dem Gottesdienst ist Gelegenheit mehr voneinander zu erfahren. Menschen lernen sich kennen, die lange keinen Ort hatten, um ihren Glauben zu leben. Die Studenten aus Afrika oder Indien sind froh, dass sie auch in der Fremde eine spirituelle Heimat gefunden haben. Und auch für die Petersburger ist der Ort eine Oase im Getriebe der Großstadt. Sie sagen gerade, das wichtigste ist, dass das ein behüteter Platz ist, wo man sonntags zur Kirche gehen kann, wo man auch weitere Informationen bekommt und die Kinder sind hier sicher auf dem Gelände und werden betreut, das ist wichtig, dass hier eine geistige Erneuerung entsteht. Zunehmend finden auch Landsleute von Pater Stark den Weg in die Gemeinde. Allein 800 deutsche Firmen gibt es in Petersburg. Dazu eine stets wachsende Anzahl von Touristen. Besucherin: Ich bin vor 7 Monaten hier angekommen, hab erst im Internet versucht rauszufinden, wo es eine katholische Kirche gibt und da hieß es erst, es gibt hier keinen deutschen Priester. Dann bin ich erst in die englische Messe gegangen und später in die französische, dann habe ich ihn gehört und hab mir gedacht, der hat doch eigentlich einen deutschen Akzent, da muss ich mal nachfragen und dann hat sich herausgestellt, dass er deutscher ist. Und so komme ich jetzt immer sonntags und freitags und samstags zur Messe und es ist immer schön, weil es keine so große Gemeinde ist, man kennt sich untereinander und man hilft sich aus., es ist familiär. Auch Aleg Jankewitsch gehört zur jungen Gemeinde von Maria Heimsuchung. An diesem Samstag hat er den Pater auf seine Datscha vor den Toren der Stadt eingeladen. Und da will er den Gast natürlich verwöhnen. Mit einem kleinen Fuhrunternehmen hat es der einstige Kommunist zu bescheidenen Wohlstand gebracht. Seit seiner Taufe vor 10 Jahren, gehört er zu den Säulen der Gemeinde, kein Sonntag an dem er nicht mit seinem Gefährt die 40 km in die Messe fährt. Der Pater weiß wie wichtig Besuche für den Aufbau seiner Gemeinde sind. Man muss sie immer wieder einladen, es ist eine ganz persönliche Beziehung zu jedem einzelnen Mitglied der Pfarrei, sonst ist das gar nicht möglich. Ein Trinkspruch. Das Gläschen Wodka darf – das hat der Pater mittlerweile gelernt – bei einem Besuch auf der Datscha nicht fehlen. Manchmal erzählt Aleg dann von seiner Zeit in der Armee oder als Polizeibeamter mit besonderen Aufgaben. Aber auch davon (spricht er), dass seine Großmutter eine Ikone vor der Geheimpolizei gerettet hat. Viele haben einen Hintergrund. Die Oma war eine Polin oder eine Deutsche. Und die waren Christen oder getaufte, aber schon um die Familie zu schützen hat man die Kinder nicht getauft, oder es war gar nicht möglich. Und jetzt allmählich kommen sie aus ihrem Versteck heraus, als ob sie Angst gehabt hätten sich zu zeigen, es ist ja gefährlich, und jetzt: mein Großmutter war katholisch und jetzt interessieren die sich auch für die katholische Kirche. Die Isaak Kathedrale gehört zu den Wahrzeichen Petersburgs. Wie die meisten Gotteshäuser ist sie orthodox. Einigen katholischen Mitgliedern der Zarenfamilie ist es zu verdanken, dass auch Kirchen für die Minderheit der Katholiken Petersburgs entstanden. Eine davon die Kirche Maria Heimsuchung. 6 katholische Pfarreien zählte die Stadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Krypta der Kirche hat der Pater eine Ausstellung dazu gestaltet. Bilder und Dokumente, die an die Katholiken von Petersburg erinnern. Das neugotische Gotteshaus Maria Heimsuchung hatte eine Besonderheit. Es war auch die Friedhofskirche der Stadt, der einzige Ort an dem Katholiken beerdigt wurden. Über 40 000 Christen haben hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Mit Pater Stark besuchen wie den Tichwiner Friedhof, wo Persönlichkeiten wie Dostojewskij und Tschaikowski ihre Grablege fanden. Darunter auch der Gedenkstein für eine katholische Opernsängerin. Wie viele andere Grabmonumente stand es einst auf dem Friedhof seiner Kirche Maria Heimsuchung. Das Grabdenkmal wurde als eines der wenigen hierher gerettet, der Friedhof selbst wurde verwüstet. Autos brausen heute über die Erde in die vor 100 Jahren Tausende von Katholiken gebettet wurden. Noch 1917 pilgerten alle Katholiken der Stadt an Fronleichnam hierher. Mit der Machtübernahme der Bolschewisten begann ein 20jähriger Kampf gegen die Gemeinde. Mit dem Einsatz ihres Lebens trotzten manche dem Versuch der Staatsmacht, den Glauben auszurotten. Der letzte Pfarrer, Epiphan Akulof , der ist 1937 unter der staliniischen Repression ist der erschossen worden, verhaftet und erschossen. Gleichzeitig hat in dieser Zeit die Schwester Lament versucht, wo kann man weitermachen, in der Krypta bei den Toden hat sie ihren Unterricht weiter gemacht, zwischen den Gräbern waren auch Monumente, wo sie das machen konnte, bis 37 dann wirklich Schluss war. Was dann kam, sollte das Schicksal der Gemeinde endgültig besiegeln. Die Kirche wurde zur Fabrik, der Friedhof zur Deponie unterschiedlicher Firmen. Bilder zeigen den Zustand in dem der Pater das Gelände vor 10 Jahren vorgefunden hat. Es gibt in ganz Russland keinen Ort wo ein katholischer Friedhof in dieser Größe existiert hat, das ist nur in Petersburg. Niemand sag ich im Spaß hat so viele Katholiken hier unter sich wie ich als Pfarrer von dieser Kirche, die ruhen ja, man hat die ja nicht ausgegraben, sondern man hat nur die Denkmäler weggemacht. Um die zahllosen Toten wieder aus ihrer Anonymität herauszuholen, hat Pater Stark ein Büchlein verfasst. Da kriegen wir immer Anfragen, von Leuten: Meine Großmutter liegt auf diesem Friedhof. 7000 Personen haben wie identifiziert von den 40000. Ein historisches Foto – aufgenommen nach der kirchlichen Enteignung – zeigt die ursprüngliche Anlage. Wenigstens einen Teil des einstigen Friedhofs will der Pater für seine Gemeinde wieder herzustellen. Wir sind hier in einer der beiden Kapellen und die sind jetzt in einem verwahrlosten Zustand. Aber die ist noch in Takt, wir müssen ja auch sehen, dass wir Gruppenräume bekommen, oder sollen wir es benutzen um Urnen aufzubewahren, wäre sinnvoll das auf einem Friedhof anzubringen. Mittlerweile steht ein Teil des Geländes unter Denkmalschutz. Doch obwohl die Kirche wieder als Eigentümerin eingetragen ist, weigern sich einflussreiche Firmen das Gelände zu räumen. Mit Korruption verteidigen sie ihren Besitzanspruch. Solange die Stadtverwaltung von diesen Firmen unterstützt wird, sind die auch gar nicht interessiert an die arme Kirche dieses Gelände abzugeben, besser ist doch jedes Jahr seinen kleinen Beitrag von den Firmen zu bekommen, als jetzt in die Röhre zu gucken bei der Kirche, die jetzt kein Geld gibt, aber nach dem Gesetzt sind wir die Eigentümer und da muss man kämpfen. Und das tut der Pater seit er in Petersburg angekommen ist. Der Streit mit den Behörden, um zu erhalten, was der Kirche rechtlich zusteht, füllt mittlerweile dicke Ordner. Finanziell unterstützt von deutschen Wohltätern gibt der Pater nicht auf. Sein Engagement für Maria Himmelfahrt zieht seine Kreise. 2009 wurde ihm vom Deutschen Botschafter das Bundesverdienstkreuz verliehen. Ich würde mal sagen, das ist der Verdienst für viele Missionare, die gar nicht genannt werden, die nicht in das Fernsehen kommen, die nicht in den Zeitungen stehen, die aber treu ihre Pflicht erfüllen und nie ein Dankeschön gehört haben und insofern sag ich, ich habe das stellvertretend angenommen für die ungenannten. Pater Stark gibt nicht auf, denn er weiß, dass die Zeit drängt. Wenn in 10 Jahren nichts passiert ist, nimmt die Stadt dieses als Eigentum zurück und es sind 1000sende von Menschen, die wie die Geier schauen die vor allem auf das Gelände schauen, um dieses Gelände zu haben. Ein besseres gibt es gar nicht, und das dürfen wir uns nicht wegnehmen lassen, wir haben Gründe genug hier eine Erinnerungsstätte zu machen und diese Kirche als wichtigste Kirche von Russland wie ich finde die wieder zum Blühen zu bringen, um dort eine Erinnerungsstätte vielleicht sogar einen Wallfahrtsort zu machen. Moderation: Der Plan des Paters, in seiner Kirche an die Geschichte der Katholiken in Petersburg zu erinnern, wäre auch eine Homage an die Gemeindemitglieder, die trotz Lebensgefahr für ihren Glauben eingetreten sind. Schwester Boleslawa Lament wurde übrigens 1991 von Johannes Paul II. seliggesprochen. Eine Würdigung von Pfarrer Epiphan Akulow, dem ersten Märtyer der Gemeinde, steht noch aus. Einen Ort der Erinnerung in einer lebendigen Gemeinde zu schaffen ist aber nur ein Teil der Vision von Pater Stark. Es gibt noch einen anderen Grund, warum er um das 10 000 m2 große Kirchenareal so leidenschaftlich streitet. Für ihn wäre es der ideale Platz, um einem drängenden Problem Petersburgs zu begegnen: Der sozialen Not. Auch das ist Petersburg. Die Fassaden abseits der Paläste sehen anders aus. Hier ist der Aufschwung nach dem Fall des Kommunismus noch nicht angekommen. Zusammen mit der Direktorin des Malteser Hilfsdienstes, Irina Tymkova besuchen wir eine Familie. Gabriela ist 26. Die Mutter von drei Kindern wohnt – wie so viele in Petersburg – in einer Kommunalka, einer Wohnung, die sich mehrere Paare oder Familien teilen. Die Küche mit Waschgelegenheit wird von allen benutzt. Lediglich ein Zimmer von 12 m² ist der Privatbereich der fünfköpfigen Familie. 4000 Rubel, etwa 100 Euro zahlen Gabriela und ihr Mann Mark für diese Unterkunft. Von seinem Verdienst als Automechaniker bleiben dann noch etwa 80 Euro im Monat zum Leben. Und das in einer Stadt, die mittlerweile westliches Preisniveau erreicht hat. Dass beim Kochen manchmal Stuck von der Decke fällt, daran hat sich Gabriela gewöhnt. Dass die Küche von anderen Bewohnern manchmal für exzessive Trinkgelage mit allen Unannehmlichkeiten genutzt wird, macht sie wütend. Zum Glück gibt es Menschen, die sie unterstützen. Jeden Tag erhält sie warmes Essen aus der Malteser Suppenküche, eine Hilfe ohne die sie nicht über die Runden kommen würde. Irina: Also wir müssen Gottseidank nicht hungern, aber wir müssen hat auf vieles verzichten und nur die allernotwendigsten Ausgaben machen. Also nur das Allernotwendigste kaufen. Seit Jahren ist Pater Stark den Sozialprojekten der Malteser verbunden. Bereits als Präsident der Caritas Petersburg hat er mit Irina Tymkova zusammengearbeitet, die den Petersburger Malteser Hilfsdienstes leitet. Oft genug haben die beiden die soziale Lage der Menschen miterlebt, die nicht vom Boom der letzten Jahre profitiert haben. Die Familie von Gabriela hat wenigstens eine Bleibe. In Petersburg längst keine Selbstverständlichkeit. Solange die Nächte lau sind, findet sich unter Brücken oder in Parks immer ein Plätzchen. In den Wintermonaten, wenn das Thermometer weit unter die Nulllinie klettert, wird die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz zur Überlebensstrategie. Ohne Unterstützung ist ein strenger Winter für manche Obdachlose der sichere Tod. An dieser Stelle haben die Malteser im letzten Jahr ein Wärmezelt aufgebaut. Obgleich für 40 konzipiert, waren es oft 80 oder 90 Obdachlose, die hier vor der klirrenden Kälte Schutz gesucht haben. Auch Micha, Koordinator der Malteser, ist seit einiger Zeit mit Pater Stark im Gespräch. Ihr Anliegen, statt eines Zeltes eine dauerhaftere Lösung zu finden . Irina: Im Durchschnitt war die Temperatur -20 Grad Celsius und die Statistik besagt, ein paar Duzend Obdachlose kommen jedes Jahr durch Frost ums Leben. Ich selber habe schon viele Obdachlose sterben sehen auch Tote, aber in diesem Jahr war es extrem und wenn die nicht so eine Anlaufchance haben, dann haben die keine Überlebenschance. Auf dem Gelände betreiben die Malteser eine Suppenküche für die ärmsten der Stadt. Ohne Spender aus Deutschland wäre die Initiative nicht denkbar. Nur im August, dem Monat unserer Dreharbeiten, wird hier nicht gekocht. Irina: Nirgendwo können sie sonst Essen bekommen als hier bei uns und dann gibt es noch eine Armenküche von der Caritas für 200 Portionen täglich. Das sind in der Regel gefrorene Leute, jeden Morgen kommen sie dreckig, gefroren, weil sie irgendwo auf den Dachböden, auf den Straßen, in den U Bahnschächten, übernachtete hatten und das ist das erste was wir machen: jedem morgens ein warmes Frühstück zu gewähren Netschileska, Nachtasyl nennt sich das Projekt direkt über der Suppenküche. 42 Frauen und Männer für die das Schlafen draußen lebensgefährlich ist, können hier eine Zeit lang bleiben. 42 anrührende Biographien, 42 gescheiterte Leben. Andre hat sich bei einem Montageeinsatz die Füße abgefroren, dann ist er ist erblindet. Ohne Hilfe hätte er keine Überlebenschance. Irina: Wir wollen für sie Papiere wieder herstellen, Pflegestufe wieder anerkannt bekommen, Pflege-Rente beantragen und für sie einen Platz in einem staatlichem Alten heim besorgen. Und man muss sagen es gelingt uns auch im Durchschnitt ein Mensch pro Monat, das ist eine sehr schwierige Arbeit mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden aber außer uns macht das keiner. Auch ihre Füße sind erfroren. 17 Jahre hat Natascha auf der Straße gelebt. Mit einem Gefängnisaufenthalt fing alles an. Irina: Das ist ein typischer Weg wie man obdachlos wird, man wird straffällig, geht in das Gefängnis und laut russischem Gesetz wird man sofort aus der Wohnung abgemeldet. Die Entlassung aus dem Gefängnis ist für viele schlimmer als die Haftstrafe selbst. Natascha und ihr Mann wurden von ihren Familien verstoßen. Irina: Einfach rausgeschmissen, bei mir der Bruder bei ihm die Schwester und da haben wir uns kennengelernt, zwei Einsamkeiten, zwei total vereinsamte Menschen und dann kamen wir zusammen. Geschichten wie diese, bringen Irina und Pater Stark immer wieder ins Gespräch. Auch wenn der Priester mittlerweile nicht mehr der Leitung der Caritas angehört, so hat er die Not in Petersburg nicht vergessen. Beim Aufbau seiner Gemeinde, will er deshalb auch einen sozialen Akzent setzten. Irina: Keinen Gemeinde hat uns bis jetzt ein Zuhause geboten und deshalb unsere Hoffnung in Bezug auf die künftige Pfarrei von Pater Richard, dass dort uns richtig ein Zuhause für unsere sozialen Projekt geboten wird. Eine Kirche eine Gemeinde ohne soziale Ausrichtung, die hat nach meiner Meinung keine Existenzberechtigung. Ich werde ihnen helfen mit meinem Gelände ihre sozialen Aktivitäten hier durchzuführen, die haben Erfahrung, die machen das hier seit fast 20 Jahren. Ich sehe den konkreten Menschen, der leidet und der Alkoholiker ist, und der seine Oma nicht begraben kann, also müssen wir eine Anlaufstelle haben für die Armen. Irina: Caritas und Malteser als katholische Hilfswerke machen nur die guten Werke und die sechs katholischen Gemeinden verkünden nur das Gotteswort ohne sichtbar und wirksam was caritatives zu tun, und deshalb meine Vision von unserem Zentrum, dass es wirklich ein Zufluchtsort von den Menschen wird, ein Heimatort von jedem Armen in dieser Stadt der vielseitig Hilfe erfährt, Hilfe für seinen Körper, Hunger und Durst stillen oder seine Wunde verbinden aber nicht zuletzt Hunger nach seinem seelischen Bedürfnis von einem tröstendes, Hoffnung spendendes Wort zu hören. Das ist meine Vision. Für diese Vision wird Pater Stark auch weiter unterwegs sein, wird Überzeugungsarbeit leisten in Behörden und Institutionen nicht zuletzt auch bei seinen Unterstützern. Am Ende sollen auch die Armen dieser Stadt vom Aufbau seiner Kirche profitieren. Moderation. Ein starkes Stück, das auch viel Geld kosten wird, hat sich der 72jährige Pater da vorgenommen. Aber, er hat – so hat er uns bei den Dreharbeien immer wieder beteuert – als Missionar in Afrika gelernt, dass nichts unmöglich ist. Seine Kirche Maria Himmelfahrt soll mehr werden als ein restauriertes Gotteshaus. Sie soll das sichtbare Zeichen einer Botschaft sein, die sich in der Zuwendung zu den Armen konkretisiert. Wenn sie mehr über das Projekt in Petersburg erfahren möchten, oder wenn sie Pater Stark dabei unterstützen möchten, dann schreiben sie uns.  
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