6. Sonntag nach Ostern B ( Joh 15,9.17)

09:31 | Von | Kategorie: Gemeinde und Seelsorge, Predigten

6. Sonntag nach Ostern – B (Joh.15,9-17

Nächstenliebe

Von der Liebe wird in unserer Zeit viel gesprochen, manchmal sogar zu viel. Dabei müssen wir alle gestehen, dass in unserem Alltag wir immer wieder erhebliche Defizite der Liebe feststellen müssen. Jesus spricht auch von Liebe. Drei Besonderheiten dieses Wortes Jesu über die Liebe sind sehr auffallend:

 

1. »Das ist mein Gebot …«, »das trage ich euch auf…« Das ist nicht die Sprache der gefühlvollen Liebe, an die wir gewöhnt sind. Aber eben nicht unsere Gefühle, sondern Jesu Gebote formen die Liebe, die der Herr von uns will. Ein Gebieter tritt vor uns hin. Wichtig ist also, daß wir diesen Jesus als unsern Herrn ansehen und bereit sind, sein Gebot auszuführen. Dabei geht Er trotz dieser harten Worte mit uns nicht wie mit Sklaven um. »Ihr seid meine Freunde«, sagt er, »wenn ihr tut, was ich euch auftrage«. Jesus ist Herr und Gebieter und doch auch unser Freund. Gerade weil er uns liebt, gebietet er uns, was für uns und die Menschheit gut ist.

 

2. »Wie ich euch geliebt habe …« Dieses »Wie« ist das Zweite, was sehr auffallend ist. Jeder redet von Liebe und jeder meint etwas anderes damit. Die christliche Liebe hat das Leben und Sterben Jesu zum Vorbild. Wie er mit den Menschen umgegangen ist, so sollen auch wir den Nächsten lieben. »Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben läßt für die Freunde.« Jesu Liebe opfert sich auf, sieht von sich selbst ab, ist für den anderen da.

 

3. Beim besten Willen und allen guten Vorsätzen, dieses Gebot zu unserem Lebensprogramm zu machen und diesem Auftrag Jesu Folge zu leisten, sehr bald werden merken, dass wir es nicht aus eigener Vernunft und Kraft schaffen, wie Jesus zu lieben. Da hängt uns nämlich oft so viel Alltag am Hals, daß wir kaum Luft zum Atmen, Kraft zum Lieben, Grund zum Freuen haben. Da wird der Glaube schwach, die Liebe dünn. Man sieht sich selbst und andere angestrengte Christen mit besorgten Gesichtern schuftend vor sich. Und wie schwer ist es – sich selbst als Versager in der Nachfolge Jesu zu erkennen! Desto mehr überrascht es, daß Jesus statt dessen von Freude spricht. „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“. Fast wollen wir hier aufschreien: „Von welcher Freude redest Du, o Herr?!“ Wohl für solche wie uns hat Jesus das dann gesagt: Ich habe euch erwählt. Also aufgehört damit, nur auf mich zu blicken, auf das, was ich bin und kann oder auch nicht vermag (und erst recht aufgehört, nach anderen zu schielen), sondern aufgeblickt auf den, bei dem die Liebe ihren Anfang nimmt und der das als Gabe in euch hineinlegt: erwählt zu sein und damit, geradezu automatisch, Frucht zu bringen! Jesus hat sein Wort doch immer erfüllt. Dann kann und will er es auch in uns erfüllen. Auch wenn wir uns hohl und ausgebrannt fühlen. Er wird es tun. Er kann das tun. Er kann alles tun. Er wird es uns allen einmal zeigen, was er durch uns alles hat fruchten lassen. Das befreit von allem Leistungsdruck. Wir müssen nicht mehr müssen. Aber ich darf als Gabe annehmen, was der Herr mir zusagt. Dann wird auch Freude werden. Dann wird auch immer wieder seine Liebe aus einem jeden von uns heraus strahlen.

 

Herr Jesus Christus, bei uns ist oft alles so leer. Wir fühlen uns hohl und ausgebrannt. Aber Du hast gesagt, dass Du uns nicht verlässt, dass Du uns füllen kannst mit Deinem Heiligen Geist. Herr, Du allein kannst uns die Kraft zur Liebe geben! Hilf uns, daß wir mit Freude den Nächsten lieben können, wie Du uns geliebt hast und auch jetzt uns liebst. Amen.

(Autor: Dietrich von Bülow-Sternbeck)

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