5. Sonntag nach Ostern B, Joh 15,1-8

13:22 | Von | Kategorie: Gemeinde und Seelsorge, Predigten

Predigt 5. So nach Ostern C -Joh 15,1-8

 

Christus sagt uns: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir kцnnt ihr nichts vollbringen. (Joh.15,5)

 

1. Als ich vor einiger Zeit durch Weinberge in Rumänien fuhr, war ich irritiert, denn zwischen den Weinstöcken lagen Unmengen von abgechnittenen Reben. Natürlich hatte ich schon einmal etwas davon gehört, dass es die Qualität der auf dem Weinstock verbleibenden Trauben steigern kann, wenn man gezielt Reben entfernt. Das kennt man auch aus dem Umgang mit den in unserer Gegend wachsenden Apfelbäumen. Aber diese Massen von vergammelnden Trauben stimmte mich traurig. Der Winzer, der mir seine köstlichen Tropfen verkaufte, erklärte mir, dass sie Opfer der Mengenverordnung der Europäischen Union sind. Diese Erkläung stellte mich auch nicht zufrieden, eher im Gegenteil. Denn als Kind habe ich von meiner strengen katholischen Großmutter gelernt, daß Lebensmittelvernichtung, aus welchen Gründen auch immer sie geschehen mag, ein Ärgernis und eine Sünde i9st und bleibt. 2. Aber diese abgeschnittenen Reben mit darauf verbliebenen Trauben, die jetzt nie werden reifen können, die zwischen den Weinstöcken lagen, lösten bei mir noch eine weitere Reaktion aus: Sie veranschaulichten mir den Ernst der Worte Jesu. Jesus vergleicht sich selbst mit einem Weinstock und uns Christen mit den Reben. Er macht uns deutlich, dass wir nur dann gedeihen und unsere Lebensaufgabe erfüllen können, wenn wir an ihm bleiben. Es geht um Bleiben oder Vergehen, um Leben oder Tod. Das wurde in den Weinbergen anschaulich, in denen das Gewächs der Freude reift. Die abgeschnittenen Weintrauben liegen traurig am Boden und vergehen. Reifen und Frucht bringen kann nur die Weintraube, die Kontakt zum Weinstock hat. 3. Genauso sind wir Christen darauf angewiesen, ganz eng mit dem verbunden zu bleiben, der den Tod besiegt hat und der selber das Leben ist: Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Wir können von den Weintrauben lernen, ganz selbstverständlich den Lebenssaft vom Weinstock zu »tanken«, anstatt zu überlegen, ob wir »Lust« haben, schon wieder zum Gottesdienst zu gehen oder zur heiligen Eucharistie. Es ist wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass wir die Verbindung zu Christus brauchen, wenn wir mit ihm leben wollen in Zeit und Ewigkeit.

 

Herr Jesus Christus, bei Dir will ich bleiben, mit Dir will ich leben – heute, morgen und in Ewigkeit. Amen.

 

von Dietrich von Bülow-Sternbeck

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