Nikolai Leontjewitsch Benois (1813 – 1898)

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Nikolai Leontjewitsch Benois

(1813–1898)

 

Biographie berühmter Persönlichkeiten¹)

 

„Im Jahre 1859 vollendet der Architekt sein ganz persönliches Werk in Sankt-Petersburg – er baut auf der Vyborg Seite die katholische Kirche der „Hl. Maria“ «Mariä-Heimsuchung»²). Das war sein einziger Kirchenbau, den Benois im romanischen Stil ausführte, der allgemeines Interesse erweckte, zumal der Architekt dort selbst seine letzte Ruhestätte gefunden hat.“

 

Nikolai Leontewitsch Benois wurde am 13 Juli 1813 in Sankt-Petersburg in der Familie von Louis Jules Benois, dem Haushofmeister der Kaiserin Maria Federowna, geboren. Louis Jules, gebürtig aus Frankreich, stammte aus einer bäuerlichen Familie, die nicht weit von Paris entfernt lebte. Louis heiratete Anna Katharina Groppe, die Tochter eines Kupferschmieds von deutscher Abstammung. Sie bekamen 18 Kinder, von denen sieben im jungen Alter starben. Unter den Überlebenden waren fünf Söhne und sechs Töchter.

Dem mittleren Sohn von Louis Jules Benois Nikolai, als er zum Knaben heranwuchs und von Kindheit an die französische und deutsche Sprache beherrschte, stand ein Leben bevor, das mit der russischen Kunst verknüpft war. Zunächst ging er die deutsche Schule der hl. Peter und Paul, wo er 1822 mit neun Jahren begann, dann wechselte er zur deutschen reformatorischen Kirche, wo Nikolai viel zeichnete und malte. Sein erster Zeichenlehrer war in jener Zeit der berühmte Kunstpädagoge Kabel, der seinen Schüler unaufhörlich und überschwenglich lobte.

Nikolai‘ s Mutter, der nach dem Tod ihres Mannes 1822 die Sorge um die Zukunft der Kinder oblag, bemühte sich bei der Kaiserin Maria Federowna um die Aufnahme ihres Sohnes in die Kaiserliche Akademie der Künste. Es war offensichtlich, dass Nikolai außer der Liebe zum Zeichnen eine geradezu Begeisterung für die Architektur entwickelte, weswegen die Witwe Benois in den Aufnahmepapieren ausdrücklich bat, den vierzehnjährigen Sohn „zum Erlernen der Architektur“ in die Kaiserliche Kunstakademie aufzunehmen. Da Nikolai das Patenkind der verwitweten Kaiserin war, unterstützte sie diese Bitte und am 1. Dezember 1827 wurde Nikolai Benois aufgrund höchster Anordnung sofort in den zweiten Jahrgang in die Zahl der Internen der staatlichen Akademie aufgenommen, und zwar mit voller Pension und Logis.

Benois lernte ausgezeichnet. Fleiß und vertrauenswürdiger Umgang mit allem, womit er sich beschäftigte, waren kennzeichnend für seinen Charakter. Seine erste Auszeichnung „ Für Erfolge in den Studien“ erhielt Benois, damals Akademieschüler des zweiten Jahrgangs, im Juli 1829; und im Mai 1831 wurde er noch einmal ausgezeichnet.

Intensives Studium der Denkmäler der antiken Kunst, Aneignen der besonderen Prinzipien der Schule des russischen Klassizismus, dazu eine schöpferische Begabung – all dies wirkte sich bei der Kreation von Benois ihm eigenen Projekten sehr positiv aus. Er arbeitete gern mit maßvollen Formen, fachmännisch und detailliert, in dem er seine eigenen Pläne ausarbeitete.

Im Februar 1831, bei der Verteilung der Akademieschüler auf künstlerische Ateliers, wurde Nikolai dem Akademiker W. A. Glinka zugewiesen, bei dem er nur ganz kurz Vorlesungen hörte. Im Juli desselben Jahres starb Glinka. Fünf seiner Schüler, unter ihnen Benois, wechselten zum Akademiker CH. F. Meier, der mit seinen eigenen praktischen Kenntnissen dem jungen russischen Baumeister Gewinn bringend viel Wissen vermittelte. Im April 1834 entwarf Benois in dieser Werkstatt das Landhaus eines reichen Gutsbesitzers. Benois überarbeitete sorgfältig und rational den vorgelegten Plan, eine für den Schüler lohnenswerte Aufgabe und in voller Selbstverantwortung. Für diese architektonische Komposition erhält er seine erste Silberne Medaille – die Kleine. Im Dezember 1834 folgte für seine architektonische Komposition und für das Projekt eines Museums, das im April 1835 ausgeführt wurde, die Silberne Medaille – diesmal die Große.

Für die Ausführung eines Projekts im Jahre 1836 wählt Benois das Projekt „ Fachschule der Rechtswissenschaft“ und erhält dafür die höchste Note. In einer feierlichen Versammlung am 27. September 1836 wird Benois die große Goldene Medaille zuerkannt und außerdem mit dem Degen, von der Akademie gestiftet, mit dem Rang eines Künstlers vierzehnter Klasse ausgezeichnet.

Ein glänzender Abschluss an der Akademie gab das Recht auf ein Stipendium im Ausland. Aber diese Pension konnte erst drei Jahre später beginnen, d.h. nach dem Abschluss der Schulausbildung, in deren Verlauf die Absolventen, nach den Regeln der Akademie, die erforderliche Praxis im Bauwesen erwerben konnten.

Der Dienst von Benois begann im Ersten Sankt-Peterburger Gymnasium, wo er als Architekt im November 1836 aufgenommen wurde. Die Grundpraxis verbrachte er als Assistent von K. Tona, der zu dieser Zeit gerade den Bau einiger Projekte in Petersburg und Moskau durchführte.

Ende Mai 1840 erhält Benois die Auszeichnung von 1000 Rubeln in Papiergeldscheinen „ Für besondere Verdienste beim Bau der Christus-Erlöser-Kirche“; damit endet seine Tätigkeit in Moskau und Benois beginnt, sich auf seine Auslandsreise vorzubereiten.

Im Ausland ist Benois in vollem Maße dem Einfluss von Ideen ausgesetzt, welche die Welt des damaligen Europa beherrschten, – die Ideen des Romantizismus. Benois ist nicht einfach verzaubert von der äußeren Form der gotischen Gebäude, er beginnt ernsthaft und gründlich diesen Stil zu erforschen, der sich aus den ersten architektonischen Vorlagen herausfinden lässt. Sie sind von den Ideen des Romantizismus geprägt und ausgerichtet, die klassische Tradition zu überwinden.

Von 1840 bis 1846 lebt Benois in Italien. Er macht sich mit Rom vertraut, studiert die klassischen Baudenkmäler der Stadt. Nikolai zeichnet viel, kopiert antike Gipsfiguren in den Museen. Auch macht er Reisen zu weiteren italienischen Städten – Parma, Bologna, Cologna, Piacenza, Venedig. Über die Schweiz macht er sich auf den Weg nach Köln, wo er sich ganz seiner Liebe zu gotischen Kirchen hingibt, von denen er eine Reihe von ganz zarten, hervorragenden Aquarellen anfertigt.

Ein ganz bedeutendes Ereignis für die Stipendiaten war die Ankunft von Zar Nikolaus I im Dezember 1845 in Italien. Bei der Besichtigung von Bauwerken Roms unterhielt sich der Zar lange mit Benois und Resanow. Sie erklärten ihm nicht nur die Bauweise der Karakalla Thermen, wo sie sich zu der Zeit befanden, „ sondern sie sprachen auch allgemein über Bauspuren des alten Roms derart ausführlich und gut, dass sie sich nicht nur als Experten in ihrem Fach auskannten, sondern sich als hoch gebildete Menschen erwiesen.

Auf dem Rückweg nach Russland besuchte Benois Frankreich und England. Es wurde eine einmalige Gelegenheit, die Länder zu sehen, in denen die Architektur des Mittelalter ihre Vollendung erhalten hatte.

Am 3. November 1846, nachdem er sich sechseinhalb Jahre im Ausland aufgehalten hatte, kehrte Nikolai Benois mit dem heißen Wunsch nach St. Petersburg zurück, so schnell wie möglich die Kenntnisse anzuwenden, die er während der Zeit des Stipendiums erworben hatte. Eine romantische Ausrichtung in der Architektur, die sich in der Zeit von Benois Auslandsaufenthaltes endgültig durchgesetzt hatte, eröffnete viele Möglichkeiten für den jungen Baumeister.

Am 18. Dezember 1846 wurde der Architekt in das Kabinett der Kaiserlichen Hoheit mit Besoldung aufgenommen, „ dem Gehalt eines Professors 2. Klasse zu vergleichen, d.h. 715 Rubel Silber im Jahr“. Zar Nikolai I erinnerte sich an die Begegnungen in Rom und dankte es ihm. Es folgten Aufträge für die Zarenfamilie, die jedoch mehr in einer praktischen Weise ausgeführt wurden.

Die ersten architektonischen Kompositionen in der Heimat machte er für private Auftraggeber. Es sind die Entwürfe einer Kirche mit Glockenturm für das Landgut von N. M. Pawlow in der Nähe von Pawlograd erhalten geblieben und das „ Projekt der fünftürmigen Kirche im russischen Stil in Malorussia für den Gutsbesitzer A,M. Schidlowski“. In den Rechenschaftsberichten der Akademie der Künste von 1847-1848 wird auch ein Projekt von Galerien für das Schloss Peterhof erwähnt, das Bauwerk eines Impfstoff herstellenden Instituts für die Doktoren Lilienberg und Witkowo in der Hauptstadt.

Das erste Jahrzehnt nach seiner Rückkehr war die fruchtbarste Phase der Kreativität von Benois. Sein bevorzugter gotischer Stil war ungewöhnlich in Mode. Nachdem er höchste Anerkennung für die Entwürfe der vorgelegten Werke vom Zarenhof erhalten hatte, beginnt Benois im August 1847 die Arbeiten zu dem großen Projekt eines Gebäudes der höfischen Stallungen im gotischen Stil, die sog. Gotischen Hofstallungen, die einen der wichtigsten Plätze in seinen Schaffen einnehmen. Die Pferdeställe wurden auf persönlichem Wunsch von Nikolai I, schön gelegen in seiner Sommerresidenz gebaut. Dem Zar gefiel in dieser Zeit ganz besonders der gotische Stil.

Benois entwickelte sich darin zu einem echten Meister für architektonische Ensembles. Er operierte mit großen Raumeinheiten, wie aus einem Guss, und schuf mit ihnen eine klare und vielfältige räumliche Gestaltung. Eine der stärksten Seiten von Benois Arbeit ist sein Bemühen um die groß möglichste Ausdruckskraft der Komposition, die Fähigkeit mit Hilfe einer sorgfältigen Auswahl nur das Wesentliche festzuhalten und schließlich zu einer Harmonie zu führen, wodurch er mit Erfolg jede Monotonie und Stilbrüche vermied.

Im Jahre 1847 „ In Anerkennung der hervorragenden künstlerischen Begabung und Kenntnisse“

wurde Benois der Titel eines Akademiker verliehen und 1850 zum Hauptarchitekten der Verwaltung des Schlosses Peterhof ernannt und erhielt damit Zugang zu allem, was in Peterhof gebaut wurde; er war unmittelbar verantwortlich für die Bauvorhaben und den Zustand aller Bauarbeiten.

Als 1854 das Ende des Baues der Hofstallungen sich nähert, erhält der Architekt aus diesem Anlass „Höchstgnädig verliehen“ den Orden des hl. Vladimir 4. Klasse und außerdem vom Zaren eine neue Aufgabe. In unmittelbarer Nähe zum großen Schloss Peterhof, lässt Benois auf dem Kirchengelände die „Freylinskie Häuser“ für die Gefolgschaft der kaiserlichen Familie entstehen – zwei mit Toren verbundene Gebäude, die unter der Bedingung ausgeführt werden, dass diese im selben Stil wie das große Schloss von Peterhof sind. Benois begab sich mit ganzer Hingabe an die Aufgabe, fertigte zunächst eine überzeugende Zeichnung an, fein den Stil nachfühlend, und schaffte es somit, die Freylinskie Häuser organisch an das vorhandene historische Ensemble anzupassen.

Für die Errichtung eines dritten großen Gebäudes in Peterhof – des Eisenbahnbahnhofs ( Projekt, das 1854 im Auftrag des Barons von Stieglitz, dem Eigentümer der Strecke, ausgeführt wurde) – griff der Architekt wieder auf den gotischen Stil zurück. Wie die höfischen Stallungen so war der Bahnhof von Peterhof mutig und harmonisch angeordnet, wobei Benois hier frei mit Elementen der englischen Gotik operierte. Das Gebäude wurde wesentlich bescheidener als das vorgesehene Projekt erst im Jahre 1858 fertiggestellt , was auf die finanziellen Engpässe des Staates nach dem Krimkrieg zurückzuführen war. Gleichzeitig mit dem Bahnhof in Peterhof beschäftigte sich Benois mit der Projektierung und dem Bau von kleinen Haltestellen auf dieser Eisenbahnlinie; in Strelna (1856), Sergievo (1855–1857) und Krasnoe Selo (1858). Auch das Postamt im „gotischen“ Stil stammt von ihm, ein Projekt, das er zusammen mit A.K. Cavos 1850 vollendete. Der prominente Architekt, Sohn des italienischen Komponisten Catarino Camillo Cavos, Albert Katerinovitch Cavos, der weithin als Erbauer der kaiserlichen Theater bekannt war. 1848 heiratete Benois seine Tochter Camilla, was zur freundschaftlichen und kreativen Zusammenarbeit der beiden Architekten beitrug.

Nikolai Benois und Camilla Cavos (sie starb früher als ihr Ehemann im Jahre 1891) hatten neun Kinder. Zwei von ihnen, Luisa und Julia, starben im jugendlichen Alter. Die drei Söhne von Nikolai Leontjewitsch – Albert, Leontij und Alexander – erbten nicht nur die künstlerischen Begabungen des Vaters (auch die zwei anderen Söhne, Nikolai und Michael, zeichneten und malten), und machten Kunst zum Beruf ihres Lebens. Auch die Töchter – Camilla und Ekaterina hatten eine künstlerische Begabung.

Im Jahre 1850 vollendete Benois noch einige Arbeiten für Peterhof. Das Krankenhaus mit einem Dienstleistungskomlex (1850-1857) wird vom Architekten im klassischen Sinn konzipiert, der sich an dem weit verbreiteten Trend des „Stils Ludwig XIV“ orientiert.1856 baut Benois in Peterhof das Marineoffizier Haus, das im Zentrum der Stadt gelegen; und in den Jahren 1861-1868 – das Ministerielle Obere Gartenhaus, nicht weit vom Großen Schloss – beide Gebäude im Stil des frühen französischen Klassizismus.

1851 wurde Benois zum Vorsitzenden des Bezirks für Verkehrswesen ernannt, was den Anfang seiner Beteiligung an der Verwaltung eines Bausektors von St.-Petersburg markierte. 1852 begann der Dienst von Benois in der Abteilung des Landwirtschaftsministeriums für Staatseigentum. Dies bedeutete eine neue verantwortungsvolle Aufgabe – in der Nähe von Sankt-Petersburg, in Lisino, eine landwirtschaftliche Schule zu bauen „für 40 Auszubildende der Jägerschule“ und ein Jagdschloss für die Angehörigen der Zarenfamilie. Die ersten Gebäude entstanden im Jahre 1852 und wurden Anfang 1860 beendet. 1858 entwarf Benois ebenfalls in Lisino die Kirche des „ Wahren und Lebenspendenden Kreuzes“, die bald darauf gebaut wurde. Während die Gebäude in Lisino dem Maßstab nach von geringerer Größe waren, stellten sie eine Art Mischung dar – eine der Markenzeichen von Benois Werken, die Teil seiner neuen Kreation darstellte. Der Architekt versuchte, während er sich bei der Arbeit strikt an den Rahmen seiner bevorzugten historischen Stile hält, ganz neue Kompositionstechniken zu finden und damit Darstellungen einer figurativen Gestaltung der Gebäude zu verbinden.

Im Jahre 1859 vollendet der Architekt sein ganz persönliches Werk in Sankt-Petersburg – er baut auf der Vyborg Seite die katholische Kirche der „Hl. Maria“ oder « Mariä-HeimIsuchung»²). Das war sein einziger Kirchenbau, den Benois im romanischen Stil ausführte, der allgemeines Interesse erweckte, zumal der Architekt dort selbst seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Im selben Jahr erhielt Benois die Ernennung zum Professor der Akademie der Künste. Dann wurde er der Baubehörde am Kaiserlichen Hof zugeordnet und mit dem Titel des Architekten höchsten Grades am Hofe ausgezeichnet.

Mit dem Jahr 1858 ist eines der besten Projekte von Wohnhäusern verknüpft, die von Benois Leontjewitsch im barocken Stil ausgeführt wurden – die Fassade des Hauses von I.A. Apraxin auf dem Litenij Prospekt. Ohne Zweifel, egal ob das Haus von Apraxin erhalten blieb, würde zur Verschönerung des Litenij Prospekt beitragen.

Während seiner Tätigkeit im Ministerium für Staatseigentum, brachte sich Benois erfolgreich ein, den alten Gutshof der Petrovskij-Razumovskij in der Nähe Moskau für die Landwirtschaftliche Akademie herzurichten. Am 19. Juni 1861 wurde er Mitglied des Ausschusses, der für die Angelegenheiten des Gebäudes von Petrovskij-Razumovskij zuständig war, und später Leiter aller Arbeiten, um die Gebäude der Akademie aufzubauen.

Von 1862 – 1865 baut der Architekt das Hauptgebäude der Petrovskij-Akademie – dies ist das einzige Gebäude in Moskau und das letzte große öffentliche Bauwerk, das er in Russland ausführte.

Im Jahre 1863, nach dem Wegfall von Cavos aus Krankheitsgründen, erhielt Benois das Ehrenamt des Chefarchitekten am Kaiserlichen Theater. Dies stellte eine wichtige Aufgabe dar, da er in Helsingfor (heute Helsinki), das in Flammen aufgegangene Theater wieder aufbauen musste. Im Jahre 1866 wurde das Theater, fast aus dem Nichts, nach den Plänen von Benois wieder neu errichtet. Dieses große und monumentale Gebäude, wenn auch in wesentlich veränderter Form, besteht noch heute im Zentrum von Helsinki und verrichtet seine Dienste.

So glücklich wie die Karriere von Nikolai Leontjewitsch Benois begonnen hatte, so überschritt diese allmählich den Zenit. Ein drastisches Einsparungsprogramm, das die Herrschaft von Alexander II begleitete, machte es unmöglich, weitere interessante Aufträge zu bekommen und Benois musste sich mit kleinen und oft rein zweckmäßigen Aufgaben zufrieden geben. Vielleicht trug dies zu jener Charaktereigenschaft bei, über die einer seiner Söhne schrieb: „Es war kein Schatten von Intrige oder etwa einfache List, ihm waren jegliche Sorgen seiner Person gegenüber widerwärtig und immer weniger war er gewappnet gegen Speichelleckerei oder Ränke von Kollegen. Und von daher kommt es, dass Nikolai Leontjewitsch Benois, zweifellos der begabteste und kenntnisreichste Architekt seiner Zeit in Russland, immer nur im Schatten geblieben ist“.

Aber es gab noch andere Gründe: mehr und mehr entwickelten sich in Russland verschiedene Stile und Richtungen. An der Fassade des Gebäudes und im Innenraum kam es immer mehr zu einem Gemisch von Stilen. Typisch für diese Zeitepoche waren die Anfragen von Privatkunden, deren Wünsche und „Geschmack“ nicht den Vorstellungen von Geschmack des leitenden Architekten, insbesondere, von Benois entsprachen.

Die Bauten, die Benois in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ausführte – zum größten Teil handelte es sich um Objekte in kleinerem Umfang, zeigen sehr individuelle, nur dem Architekten eigene Züge.

Die wesentlichen Aufträge in den 1860-er Jahren bekommt Benois von der Familie Scheremetev. Besonders die Gräfin A.G. Scheremetev bittet den Architekten, eine Reihe von Gebäuden für ihr Anwesen im Dorf Wyisok in der Smolensker Provinz zu bauen.

In den frühen 1870er Jahren beschäftigt sich Benois mit einigen Arbeiten für Peterhof. Einige private Aufträge erhielt er in St,-Petersburg: den Umbau des Hauses von F. K. Schulz auf dem Litejnyi Prospekt (1871-1872) und im darauf folgenden Jahr baut er das Haus von V. K. Kroeber auf der Nadeshdinskaja.

Auf der Polytechnischen Ausstellung 1872 in Moskau wurde der Baumeister Benois mit der Großen Goldmedaille für „Künstlerische Qualität von Projekten und Zeichnungen“ ausgezeichnet, die dort zu sehen waren. Architektonische Aufträge gab es aber nach wie vor wenig. Als aktiver und kreativer Mensch bemühte sich Benois auch um das allgemeine Wohl der Gesellschaft und in den Jahren 1868 -1872 und stellte seine Kandidatur für den Stadtrat der Duma. Seitdem wird er alle vier Jahre in die Duma gewählt und gleich darauf zum Mitglied der städtischen Baukommission, aus der im Jahr 1872 der Stadtrat entsteht. Im April 1873 wird er zum Leiter des Bauamtes der Stadtverwaltung ernannt und in dieser Position bleibt er innerhalb der nächsten 25 Jahre unangefochten.

Obwohl Benois voll ausgelastet ist, fährt er fort, zu entwerfen und zu bauen. 1878 entsteht der Entwurf eines Sommertheaters aus Holz in Pawlov, das gebaut und am 18. Mai 1878 eröffnet wurde. Es wurde im Stil der russischen Datschen ausgeführt genauso wie die umgebenden Gebäude. Auf der Bühne traten viele berühmte Schauspieler und Sänger auf. Anfang 1878 wurde das Projekt einer Fontäne für den Alexandergarten genehmigt, das von Benois ausgeführt wurde. Dieser runde, graue Granitbrunnen befindet sich auf dem Platz gegenüber dem Haupttor zur Admiralität. Der Architekt hatte an einem Wettbewerb teilgenommen und seine Arbeiten wurden prämiert.

Am 27. September 1886 blickte Benois auf eine 50 jährige berufliche Karriere zurück. Über das Jubiläum wurde in den städtischen Zeitungen und Zeitschriften breit berichtet . In Zusammenhang mit dem Jubiläum wurde Benois zum Ehrenmitglied der Sankt-Petersburger Architektengesellschaft gewählt. In einer feierlichen Sitzung der Akademie wurde Benois die Goldmedaille mit seinem Portrait im Profil überreicht. Die Regierung verlieh ihm den Annenorden I. Grades.

Von 1890-1893 war Benois Vorsitzender der Sankt-Petersburger Architektengesellschaft. Trotz seines fortgeschrittenen Alters behielt er die Kraft und die Fähigkeit zu arbeiten, besaß eine ungetrübte Sehkraft „und vermochte noch bis im Jahr seines Todes…zu zeichnen und zu malen, obwohl er nicht 24 Jahre alt, sondern im 84. Lebensjahr stand“.

Das letzte Projekt machte der Architekt zwei Jahre vor seinem Tod im Jahre 1898. Es handelte sich um ein Mädchengynasium in Eniseik. Benois war 83 Jahre alt. Im selben Jahr wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie der Künste gewählt.

Benois starb am 23 Dezember 1898.

1) http://biopeoples.ru/architectors/page,6,269-nikolajj-leontevich-benua.html

2) später: Mariä-Heimsuchung (Hinzufügung vom Übersetzer des Artikels: R.Stark)

3) Fotos aus dem Archiv, überreicht durch Wladimir Frolow, Nachfahre der Familie N. L. Benois

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