Wiktor Iwanowitsch Fleri, herausragender russischer Taubstummenpädagoge

12:04 | Von | Kategorie: Aktuelle Neuigkeiten
Der russische Taubstummenpädagoge Wiktor Iwanowitsch Fleri (1800-1856) war Erzieher (ab 1817), danach Inspektor und Direktor der Petersburger Gehörlosenschule (ab 1837). Es sei angemerkt, dass Fleri schon als 17-jähriger junger Mann begann, in seinem Wirkungsfeld zu arbeiten (ihm half zweifellos seine solide Ausbildung, die Beherrschung der französischen, lateinischen und griechischen Sprachen). Im Grunde genommen wurde Fleri ursprünglich auf Initiative von J.B. Joffre in das Amt des Französischlehrers an die Schule berufen; bis 1838 unterrichtete er Französisch auch im Gymnasium der Universität von St.Petersburg. Er erarbeitete wesentliche Neuerungen auf dem Gebiet der mimischen Sprache. Er ist Autor der ersten Werke zur Taubstummenpädagogik in Russland (das Buch „Taubstumme, betrachtet in Hinsicht auf ihren Zustand und auf die Bildungsmethoden, welche ihrer Natur am eigensten sind“, 1835 u.a.), in denen er die Möglichkeit und die Effektivität einer frühzeitigen Ausbildung von Gehörlosen unter Anwendung von Mimik und verschiedener Sprachformen (mündlicher, schriftlicher sowie Fingersprache) bewies. Er unternahm den ersten Versuch einer zahlenmäßigen Bestandsaufnahme der Gehörlosen in Russland und ist faktisch einer der Begründer der einheimischen Taubstummenpädagogik und Daktylologie (Duden = Finger- u. Gebärdensprache der Taubstummen u. Gehörlosen) sowie Autor des ersten Gebärdenwörterbuches in Russland. Fleri hat die „Sittlichkeitsregeln für Taubstumme“ (1847) sowie die „Regeln für die Lehre des künstlichen mündlichen Wortes für Taubstumme“ verfasst. Er arbeitete viele Jahre allein ohne Gehilfen und ohne Interessenten dafür finden zu können, die sich der schweren Arbeit, der Ausbildung Taubstummer, widmen wollten. Dank der Unterstützung des ehrenvollen Paten des Institutes, des Grafen Wijelgorskij, begann er – mit hoheitlicher Erlaubnis -, Lehrer für Taubstumme in seinem Institut auszubilden. Im Jahre 1837 nahm er aus dem Institut in Gatschina minderjährige Zöglinge auf, die dann gemeinsam mit den älteren Schülern aufwuchsen und erzogen wurden und danach in das 2. St.Petersburger Gymnasium und in die Universität eintraten. Nach Beendigung der Ausbildung wurden sie selbst Lehrer am Institut für Taubstumme und unterrichteten dort unter der Leitung von Fleri und nach seinem System. Erst nach dem Tod von Wiktor Iwanowitsch erschien im Jahre 1859 sein Buch „Über das Lehren des mündlichen Wortes Taubstummen“. Auf beharrliches Bitten von W.I. Fleri wurde eine Verordnung über die Einrichtung einer besonderen Abteilung für schwerhörige Kinder in das Statut der Petersburger Gehörlosenschule aufgenommen (wenn auch deren praktische Eröffnung erst nach dem Tod des Wissenschaftlers erfolgte). W.I. Fleri hat bewiesen, dass Taubstummheit den Menschen nicht seiner geistigen Fähigkeiten entzieht und kein Hindernis für die moralische Entwicklung ist. Und wo sich Mängel zeigten, wurden diese durch falschen Unterricht oder dessen Fehlen hervorgerufen. Hinzu kommt, dass die damalige Gesellschaft zu seiner Zeit Taube und Stumme mit größter Zurückhaltung, wenn nicht sogar direkt feindlich wahrnahm. W.I. Fleri hat überzeugend bewiesen, dass der Gehörlose fähig ist, sich zu entwickeln. Wiktor Iwanowitsch Fleri starb am 6. Juni 1856 an einer Lungenentzündung und -lähmung und wurde auf dem katholischen Wyborger Friedhof in St.Petersburg am 9. Juni 1856 begraben – als einer der ersten hier beerdigten Katholiken.

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