Der Tuch

12:58 | Von | Kategorie: Predigten

Erstaunt schauen meine Gäste neben den Weihnachtsbaum. Dort steht ein zwei Meter hohes Brett mit Schleife, Dieses Brett ist das Geschenk eines römisch-katholischen Amtsbruders an mich, und die Schleife wurde mir von einer polnischen Nonne geschenkt. Ich wollte mir schon immer ein Kreuz machen. Spontan kommen mir Jesu Worte aus dem Evangelium nach Markus (8,34) in den Sinn: „In jener Zeit rief Jesus die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ In Gedanken teile ich das Brett in Querbalken, Ober- und Unterteil ein. Dabei stelle ich fest, dass es ganz schön groß wird, mein Kreuz. Soll ich es verkürzen? Ich denke nach: Wie oft kommt uns unser Lebenskreuz, das wir zu tragen haben, zu groß oder zu schwer vor? Neidisch schauen wir nach links und rechts. Lieber würden wir mit unserem Nachbarn mit dem schönen Auto oder dem Kameraden mit der schnelleren Beförderung tauschen. Doch kennen wir wirklich sein Leben? Was hat er alles zu tragen? Jesus nachfolgen heißt zu tragen, was er mir zumutet – eben mein Kreuz. Ich beschließe: So wie es mir geschenkt wurde, „mein Kreuz“, so will ich es belassen.

Beim Schleifen und Sägen überlege ich, wie glatt ich es mache. Nein, die Lebenskanten mit den Scharten sollen bleiben. Aber die Mitte wird wie im Leben durch mühsame Arbeit geglättet und schön gemacht. Ich spüre, wie es immer mehr mein Kreuz wird und ich »Ja« dazu sagen kann. Als ich es aufhänge, erscheint es mir leer. Irgendetwas fehlt. Ich hab’s! Ein Tuch. Es soll mich an die Auferstehung erinnern! Denn bei allem Tragen weiß ich eines genau – als der Auferstandene geht und trägt Jesus mit mir.

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